Die Minnesota Vikings haben ihren General Manager Kwesi Adofo-Mensah überraschend Ende Januar entlassen. Was danach folgte, unterscheidet sich deutlich von dem, was vier Jahre zuvor geschah. Damals vertrauten die Besitzer Mark und Zygi Wilf auf einen großen internen Ausschuss, der letztlich zur Verpflichtung von Adofo-Mensah führte. Diesmal halten die Wilfs einen engen Kreis. Nur Geschäftsführer Andrew Miller und Coach Kevin O'Connell sind neben den Besitzern und einigen ihrer Kinder in den bisherigen virtuellen Gesprächen mit Kandidaten beteiligt.
O'Connell betonte bei einem Treffen zum Rookie Minicamp, dass er unterstützen will, aber nicht die Fäden zieht. "In welcher Kapazität auch immer Ownership und Andrew mich sehen, das werde ich tun", sagte der Coach. "Es ist eine wichtige Zeit und ein wichtiger Hiring-Prozess, aber ich habe großes Vertrauen in den prozessorientierten Ansatz unseres Ownership und Andrew Miller." Miller arbeitete mit der Personalberatungsfirma TurnkeyZRG zusammen, um eine externe Kandidatenliste zu entwickeln. Der Prozess könnte bei den NFL-Frühjahrsmeeting Anfang April neue Impulse bekommen, wo die Liga ein spezielles Programm für Coaching- und GM-Kandidaten anbietet. Sollte alles nach Plan laufen, finden formelle Gespräche in der zweiten Runde Ende Mai statt.
Eine Besonderheit: Rob Brzezinski, der Executive Vice President of Football Operations, war über Jahre ein Schlüsselberater bei großen Hirings. Diesmal ist er selbst Kandidat für den GM-Job. Die Wilfs haben sich zu seiner Kandidatur eher ausweichend geäußert. Mark Wilf skizzierte bei den Frühjahrsmeeting seine Vision: Der neue GM soll ein großer Leader sein, der zum vorhandenen Scouting- und Coaching-Staff passt und die Organisation auf Langzeiterfolg trimmt. "Wir wollen wettbewerbsfähig sein, Jahr für Jahr", sagte Wilf. "Jemand muss in diese Kultur passen."
Neun externe Kandidaten stehen zur Auswahl. Drei wurden diese Woche neu hinzugefügt: Chad Alexander von den Chargers, RJ Gillen von den 49ers und Terrance Gray von den Bills. Dazu kommen John McKay (Rams), Nolan Teasely (Seahawks), Dave Ziegler (Titans) und weitere Kandidaten wie Ray Agnew, dessen ehemaliger Arbeitgeber im Text nicht genannt wird.
Ballports-Take: Für deutsche Football-Fans, die die Vikings verfolgen, deutet diese Entwicklung auf einen Wendepunkt hin. Der Wechsel zu einer "ownership-driven" Suche könnte bedeuten, dass die nächste Führungsperson enger mit Mark Wilf zusammenarbeitet als Adofo-Mensah. Das hat Auswirkungen auf Draft-Strategie, Roster-Aufbau und damit auch auf Players, die zum Vikings-Kern gehören. Wer den neuen GM stellt, könnte Kevin O'Connells Spielraum als Coach neu definieren. Bis Ende Mai sollte Klarheit herrschen, wer die Führung übernimmt.