Dusty May hat sich auf einen Deal mit den Dallas Mavericks geeinigt und verlässt damit die University of Michigan, um NBA-Head-Coach zu werden. Der 49-Jährige führte die Wolverines 2026 zur National Championship und hinterlässt ein Team, das ESPN-Ranker Jeff Borzello in seinen frühen Top-25-Rankings auf Platz 3 eingeordnet hatte. May wird die Mavericks trainieren, deren Franchise um Cooper Flagg aufgebaut wird, den NBA Rookie of the Year der letzten Saison, der mit 21,0 Punkten pro Spiel für Dallas führte.
Mays Entscheidung für die NBA kommt überraschend, hatte er doch andere College-Positionen in dieser Offseason abgelehnt. Die NBA war für ihn aber schon lange attraktiv. Er wird der erste College-Head-Coach seit John Beilein, der 2019 die Cleveland Cavaliers übernahm, der direkt nach einem solchen Schritt ins Profigeschäft wechselt. Larry Brown verließ Kansas 1988 nach der National Championship für die NBA, Billy Donovan war 2015 der letzte NCAA-Titel-Champion, der ins Profi-Geschäft ging.
In Ann Arbor hinterlässt May eine angespannte Situation. Die Michigan-Spieler können ihre Optionen erkunden, denn die NCAA-Regeln sehen ein 15-Tage-Transferfenster vor, das fünf Tage nach der Bekanntgabe des neuen Coaches öffnet. Das gibt Michigan Zeit, intern umzustrukturieren oder einen neuen Coach zu verpflichten, während man versucht, den Kader zusammenzuhalten. Dazu gehört Final Four Most Outstanding Player Elliot Cadeau, der aufstrebende Sophomore Trey McKenney und neue Transfers wie J.P. Estrella, Moustapha Thiam und Jalen Reed.
Mays Aufstieg ähnelt dem von Brad Stevens der Boston Celtics, der zwei Final-Four-Auftritte mit Butler nutzte, um 2013 zum Celtics-Coach zu werden. May machte sich einen Namen, als er die neuntgesetzte FAU aus der Conference USA 2023 ins Final Four führte. Die Owls verloren knapp gegen San Diego State. Bei FAU verbuchte May beeindruckende Saisons mit Bilanzen von 35-4 und 25-9. In seinen letzten vier Jahren als College-Coach sammelte er eine Bilanz von 124-26. Er gilt als taktisch versiert und versteht Kaderaufbau. Michigan nutzte unter seiner Leitung Oversized-Lineups als Gegenpol zur Small-Ball-Revolution und spielte effektiv mit mehreren großen Spielern gleichzeitig.
May ist ein früherer Indiana-Basketball-Manager, der sich die Karriereleiter hochgearbeitet hat. Er war Video-Koordinator an der USC und hatte Assistenten-Positionen an der Eastern Michigan, Murray State, UAB, Louisiana Tech und Florida.
Für deutsche Basketball-Fans ist Mays Weggang aus der College-Elite relevant: Michigan war auf dem besten Weg, eine Dynastie zu bilden, und der Kader-Exodus könnte das Projekt empfindlich zurückwerfen. Interessant ist auch der Blick auf die Mavericks und Flagg: Ein erfahrener College-Coach mit Verständnis für Roster Construction und System-Basketball könnte dem jungen Superstar helfen, schneller in die NBA hineinzuwachsen. Die Parallele zu Stevens zeigt, dass dieser Weg funktionieren kann. Wer Michigan-Spiele verfolgt hat, weiß um Mays Qualitäten, jetzt wird sich zeigen, ob sie auch in der NBA greifen.