Die Oklahoma City Thunder stehen einen Sieg vor dem NBA-Finals. Die San Antonio Spurs müssen in Game 6 zurück nach Hause und haben wenig Spielraum. Der Titelverteidiger führt 3-2 in der Western Conference Finals, nachdem die Thunder Game 5 dominant gewannen. Für die Spurs spricht die Geschichte nicht: Das ist erst das zehnte Mal in ihrer Franchise-Geschichte, dass sie Game 5 einer 2-2er Serie verlieren. Neun Mal zuvor haben sie danach nicht zurückgekommen. Für die Thunder sind die Chancen deutlich besser. Sie haben jetzt sechsmal in ihrer Geschichte Game 5 bei 2-2 gewonnen und die Serie jedes Mal abgeschlossen.
Was die Thunder machen müssen. Shai Gilgeous-Alexander steht unter enormem Druck. Die Spurs haben ihn bislang erstaunlich gebremst. Der zweimalige MVP schießt nur 38,8 Prozent aus dem Feld und kommt auf 26,2 Punkte pro Spiel. Zum ersten Mal in dieser Saison schoss er in drei aufeinanderfolgenden Spielen unter 50 Prozent. Die Lakers hatten ähnliche Erfolge gegen ihn in Runde zwei, bis Gilgeous-Alexander in der Eliminations-Game 35 Punkte mit einer 11-von-22er Quote erzielte. In Phoenix ähnlich: 31 Punkte bei 10-von-17 Shooting zum Sweep-Ende. Doch nicht nur sein Scoring ist wichtig. Gilgeous-Alexander verteilt in den Playoffs ungewöhnlich viele Assists, durchschnittlich 8,2 pro Spiel, in der Western Conference Finals sogar 9,8. Alex Caruso und die Rolle-Spieler könnten wieder eine Schießerei abliefern wie in Game 5. Wahrscheinlich wird aber ein MVP-Level Performance von Gilgeous-Alexander nötig sein, um die Spurs zu brechen.
Was die Spurs machen müssen. Victor Wembanyama muss liefern. In den beiden Spurs-Siegen zeigte der All-NBA Center spektakuläre Leistungen. Game 1 brauchte San Antonio eine 41-Punkte-24-Rebound-Performance in der Doppel-Overtime. Game 4 war eine 33-Punkte-Leistung entscheidend. In Game 5 nahm Wembanyama aber nur 15 Shots und war ein Faktor. "Er muss mehr als 15 Shots nehmen", sagte Spurs-Coach Mitch Johnson nach der Niederlage. "Selbst mit den zwölf Freiwürfen wird er über 20 Punkte scoring." Das Defensiv-Problem war noch beängstigender: Oklahoma City schoss 49 Prozent aus dem Feld, wenn Wembanyama auf dem Court war. Der beste Wert, den ein Team gegen den 22-Jährigen in diesem Postseason bislang hatte. Wembanyama muss in Game 6 dominieren, defensiv und offensiv, sonst fahren die Thunder nach Hause als Finals-Teilnehmer.
Ballports-Take: Das ist ein klassisches Finale zwischen etablierter Kraft und aufstrebendem Superstar. Die Thunder spielen seit Jahren auf höchstem Niveau, Gilgeous-Alexander ist die beste Player in diesem Duell. Aber Wembanyama, noch 22 Jahre alt, könnte die Serie drehen. Für DACH-Fans ist das ein Playoff-Basketball auf höchstem Niveau, den man verfolgen sollte. Game 6 entscheidet, ob die Knicks auf Oklahoma City oder San Antonio treffen. Beide Teams spielen spannend, aber Wembanyamas Potenzial macht die Spurs zum interessanteren Long-Term-Projekt.