Isaiah Evans musste länger warten als erhofft. Der Guard von der Duke University saß die gesamte erste Runde über in der Green Room und hörte seinen Namen nicht, als NBA-Commissioner Adam Silver die Prospects auf die Bühne rief. Erst in der zweiten Runde bekam Evans seinen Anruf: Die Brooklyn Nets wählten den 6-Fuß-6-Spieler an Position 33, schickten ihn dann aber direkt zu den Minnesota Timberwolves weiter. Das Warten tat weh, doch Evans befindet sich in illustrer Gesellschaft.
Der 186 Pfund schwere Sophomore ist ein klassischer Off-Ball-Scorer, der von außen heiß laufen kann. In zwei Saisons traf er 38 Prozent seiner Dreier. Scouts sahen in ihm bereits vor seiner Aufwärtsentwicklung zum vollzeitigen Starter einen möglichen First-Round-Kandidaten. Das Hauptproblem war simpel: Sein Körper wirkt dünn für die physische NBA-Realität. Mit etwas mehr Kraft könnte Evans ein verlässlicher Floor Spacer werden.
Aber Second-Round-Picks können sich Mut holen. Nikola Jokic ging 2014 als Pick 41 in die Liga und wurde dreifacher MVP. Jalen Brunson wurde 2018 als Pick 33 gedraftet, exakt wie Evans, und führte die New York Knicks gerade zum ersten Championship seit 1973.
Knicks-Rookie Jack Kayil, ein German Guard, der mit Pick 39 in New York landete, nannte Brunson direkt als Vorbild. "Wir spielen ähnliche Positionen", sagte Kayil. "Und wir sind auch in einer ähnlichen Draft-Position gelandet. Er war auch Second Round. Ich kann viel von ihm lernen, wie er in die NBA kam und sich eingelebt hat."
Auf Seite der Timberwolves bekommt Evans Zeit zum Reifen. Minnesota ist eine Organisation, die jungen Guards Entwicklungsraum gibt und nicht sofort Produktivität erwartet. Für deutsche Fans ist Evans vor allem interessant, weil sein Profil dem eines modernen NBA-Scoring-Guards entspricht: Shooting und Spacing statt isoliertes Ballhandling. In der ELF gibt es solche Profile noch viel zu selten, aber Evans zeigt, worauf die NBA setzt. Wer Evans in Fantasy-Ligen beobachten will, sollte wissen, dass er ein Long-Term-Projekt ist, aber als Pick 33 immerhin wertvoll genug für eine minimale Investment.