Der NBA Draft 2026 wird in Erinnerung bleiben als ein Event mit überragenden Talenten an der Spitze, aber überraschend wenig Trades in den ersten Runden. Die Washington Wizards, Utah Jazz, Memphis Grizzlies und Chicago Bulls gehen als die großen Gewinner heraus. Sie alle konnten potenzielle Franchise Player an der Spitze der Lottery landen. Bemerkenswert: Keiner der Top-12-Picks wechselte den Besitzer, und die erste Runde verlief ohne nennenswerte Überraschungen oder grobe Fehler. 29 der 30 NBA-Teams führten mindestens einen Draft-Pick durch. Nur die Portland Trail Blazers, die ihren Pick vor fünf Jahren weiterverkauft hatten, saßen als Zuschauer auf der Bank.
Atlanta Hawks mit Note A-: Das Team sicherte sich mit Kingston Flemings an Position 8 einen Freshman Point Guard aus Houston, der als explosiver Dribbler besticht. Coach Quin Snyder bekommt damit einen weiteren schnellen Guard, der sich neben Nickeil Alexander-Walker, CJ McCollum und Dyson Daniels entwickeln kann. Der 19-jährige Flemings dürfte in seinem eigenen Tempo wachsen. Mit Zuby Ejiofor an Position 23 holten die Hawks obendrein Länge und defensive Robustheit für ihre Frontcourt.
Boston Celtics mit Note A-: Brad Stevens griff bei Chris Cenac Jr. an Position 27 zu und schnappte sich damit einen großen Mann, der als Top-10-Prospect seiner Schuljahrgänge galt, dann aber enttäuschte in seinem Freshman-Jahr an der University of Houston. Der 6-Fuß-11-Spieler mit 240 Pfund könnte zwischen Power Forward und Center oszillieren. Für Boston ist das ein Schnäppchen, denn die dünne und unerfahrene Frontcourt wurde in den Playoffs von den 76ers bloßgestellt. Cenac muss mehrere Entwicklungsschritte gehen, bevor er sein Highschool-Potenzial einlöst. Joe Mazzulla kann ihn zunächst in seiner Bench Mob aufwärmen und dann mit verbessertem Drei-Punkte-Wurf in das Offense-System integrieren.
Brooklyn Nets mit Note C+: Ein Rückgang um drei Plätze in der Draft-Lottery kostete Brooklyn die Chance auf einen gesicherten Prospect. Statt aufzusteigen, pickten die Nets Mikel Brown Jr. aus Louisville an Position 6, einen Guard, der als Freshman mit Rückenverletzungen kämpfte. Über diese Wahl wird lange diskutiert werden, gerade weil Brooklyn im Vorjahr bereits vier Guards in der ersten Runde holte. Brown könnte mit besserer Physis und starkem Outside Shooting diese Kritik verstummen lassen. Alternativ werden die Nets irgendwann bereuen, dass die Ping-Pong-Bälle ihnen nicht einen jungen Big Man wie AJ Dybantsa, Cameron Boozer oder Caleb Wilson bescherten.
Für deutschsprachige NBA-Fans ist vor allem interessant, welche dieser jungen Guards und Bigs es in die Rotation ihrer jeweiligen Teams schaffen werden. Kingston Flemings und Chris Cenac Jr. sind Namen zum Merken: Der Hawks-Guard könnte schneller spielbereit werden als klassische Europäer, die erst die physische Anpassung brauchen. Die Celtics hingegen setzen auf langfristiges Development statt auf sofortige Rotation, ein klassisches Boston-Muster. Mikel Brown Jr. der Nets bleibt ein Risiko, das sich erst bewähren muss.