Brendan Sorsby verlässt Texas Tech und trägt sich in den NFL Supplemental Draft ein. Der Quarterback-Transfer von Texas Tech bestätigte seinen Plan am Montag gegenüber ESPN. Damit entzieht sich Sorsby einem juristischen Schlamassel, das in den letzten Wochen eskaliert ist.
Hintergrund: Sorsby hatte zugegeben, auf College-Football gewettet zu haben. Über drei Jahre hinweg, während er an Indiana, Cincinnati und Texas Tech eingeschrieben war, platzierte er mehr als 9000 Wetten im Gesamtwert von mindestens 90000 Dollar. Darunter waren mindestens 40 Wetten auf Spiele seines eigenen Teams. Die NCAA erklärte ihn daraufhin für ineligibel.
Doch Sorsby holte sich vor Gericht einen vorläufigen Einstweiliger Beschluss. Der texanische Richter Ken Curry gestattete ihm, nach einer zweispieligen Sperre wieder für Texas Tech zu spielen, unter der Auflage fortlaufender Suchtbehandlung. Das Urteil sorgte für Chaos: Big-12-Klage, Boykottaufrufe gegen Texas-Tech-Spiele, Briefe von mindestens vier US-Generalstaatsanwälten.
Jetzt hat Sorsby die Reißleine gezogen. Mit dem Wechsel in den NFL Supplemental Draft entkommt er dem anhängigen Rechtsstreit, der sich vor dem Saisonstart am 28. August zuspitzt. Die NCAA legte Beschwerde ein und forderte eine schnelle Entscheidung vor Gericht.
Der Supplemental Draft ist ein Sommerverfahren, das es NFL-Teams erlaubt, zukünftige Draft-Picks auf Spieler zu bieten, deren College-Eligibilität aus verschiedenen Gründen beeinträchtigt wurde und die nicht am regulären Spring Draft teilnahmen. Das NFL-Verfahren läuft nur, wenn qualifizierte Kandidaten verfügbar sind. Das letzte Mal geschah das 2023. Der Supplemental Draft startete 1977 und dient als Sicherheitsventil für solche Fälle.
für deutsche Football-Fans ist der Fall Sorsby ein Lehrstück über die Grenzen der NCAA-Jurisdiktion im modernen Zeitalter. Ein Spieler mit echtem Talent und NFL-Potenzial wird durch Glücksspiel-Sucht aus dem College-System katapultiert, statt das Problem zu adressieren. Im NFL Draft wird Sorsby wahrscheinlich geringer eingeschätzt als vor dem Skandal, aber sein Arm und seine Athletik bleiben. Welcher Team ihn im Supplemental Draft nimmt, sagt viel über deren Risikotoleranz und Rehabilitations-Philosophie aus.