Brendan Sorsby macht einen unerwarteten Schritt: Der Quarterback von Texas Tech wird sich beim NFL Supplemental Draft für die Saison 2026 anmelden, wie ESPN-Insider Pete Thamel berichtete. Sorsby hatte Wetten auf verschiedene Sportarten platziert und absolvierte eine stationäre Behandlung wegen einer Spielsucht. Im Mai lehnte die NCAA seinen Antrag auf Wiederzulassung ab, doch ein texanischer Richter gewährte ihm im Juni eine einstweilige Verfügung, die ihn für die College-Saison 2026 spielberechtigt machte. Doch dann kam es zum Wendepunkt.
Die Ablehnung war massiv. Andere Big-12-Schulen drohten sofort damit, gegen Texas Tech nicht mehr anzutreten. Georgia und Nebraska verbot ihren Sportteams, neue Spiele gegen die Red Raiders zu vereinbaren. Die NCAA nutzte den Fall als Argument für strengere Gesetze. Am selben Tag, als die Big 12 eine bundesweite Klage gegen Texas Tech einreichte, reichte auch die NCAA Berufung ein. Sorsby stand unter Druck: Bis zum 22. Juni musste er sich für den Supplemental Draft anmelden, sonst drohte ihm die endgültige Unzulässigkeit auf College-Ebene. Er entschied sich für den Sprung in die NFL.
Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wer Sorsby hätte sein können. Er war 2025 von Cincinnati zu Texas Tech gewechselt und galt als einer der bestbezahlten College-Spieler überhaupt, mit einem erwarteten Gehalt von über fünf Millionen Dollar. Die ESPN-Rangliste der Transfer-Portal-Spieler listete ihn ganz oben auf, nachdem er für Cincinnati 2.800 Passing-Yards und 27 Touchdowns geworfen hatte. Die Wetten-Geschichte jedoch zerstörte diesen Plan. Sorsby hatte über vier Jahre hinweg etwa 90.000 Dollar auf Profisport und College-Football gewettet, einschließlich 40 Wetten auf Indiana-Football, als er noch als Freshman im Team war.
Der Supplemental Draft selbst findet später in diesem Sommer statt. Die NFL veranstaltet eine gewichtete Lotterie, um die Auswahlreihenfolge zu bestimmen. Teams mit schlechteren Platzierungen im regulären Draft bekommen proportional mehr Chancen. Beispielsweise hätte die Raiders, die die erste Pick des April-Drafts hatten, 32 hypothetische Ping-Pong-Bälle, während die Seahawks mit der 32. Pick nur eine hätte. Das ist die selbe Methode, die auch für die Verteilung von Kompensationspicks genutzt wird. Ein QB, der zuletzt in diesem Prestige-Level operiert hat, könnte bedeutsame Aufmerksamkeit erhalten, auch wenn der Supplemental Draft insgesamt selten benutzt wird. Zum Kontext: Der NFL hat seit 2023 keinen Supplemental Draft mehr abgehalten. Die letzte Auswahl überhaupt war 2019, als Arizona mit einem Fifth-Round-Pick Safety Jalen Thompson wählte. Der letzte Quarterback im Supplemental Draft war Terrelle Pryor 2011, den die Raiders mit einem Third-Round-Pick holten.
Für deutsche Football-Fans ist Sorsby kein bekannter Name, und sein Fall zeigt etwas Fundamentales über die NFL: Auch Spieler mit großem Talentverdacht und noch größerem Geld-Potenzial können schnell aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Seine Anmeldung zum Supplemental Draft könnte ein Szenario bedeuten, in dem er früher draft wird als erwartet, oder eine deutliche Abwertung erfährt, weil die Off-Field-Probleme Clubs abschrecken. Die kommenden Wochen zeigen, ob NFL-Teams das Risiko eingehen.