Kirby Smart sitzt an einer der wenigen Universitäten, die massiv in Spielerbudgets investieren kann. Der zweimalige National Champion verfügt über die Ressourcen, die Georgia zum Erfolg braucht. Doch bei den Frühjahrskonferenzen der SEC in Miramar Beach stellte sich der Georgia-Trainer ausdrücklich gegen den Trend, den die gesamte Branche antreibt.
Smart warnte seine Trainerkollegen am Dienstag vor einem Szenario, das sich abzeichnet: Wenn die Budgets für Football weiter explodieren, verschwinden am Ende alle anderen Sportarten. "Meine größte Sorge für unseren Sport ist, dass wir alle anderen Sportarten ruinieren", sagte Smart. "Leute sagen, das ist eben so. Dem stimme ich nicht zu." An Georgia finanziert die Universität weiterhin Olympische Sportarten. Athleten aus verschiedenen Disziplinen trainieren zusammen, teilen einen Campus, beeinflussen sich gegenseitig. Smart glaubt, dass dieses Ökosystem verloren geht, wenn nur noch Football und Basketball Milliarden kosten.
Der Druck ist real. Mehr als 40 Sportprogramme in der Division I wurden bereits gestrichen. Arkansas war kurz davor, Tennis zu streichen, bevor Spender einsprangen. Gleichzeitig kämpft die College Sports Commission mit Schulen vor Gericht, weil Spielerverträge abgelehnt oder blockiert wurden. Trainer werfen die Hände hoch: Neue Regeln werden sowieso ignoriert, Klagen hebt auf, was Kommissionen beschließen.
Smart betont, dass er nicht gegen höhere Spielergehälter argumentiert. Die aktuelle Situation ist für ihn nicht das Problem. Das Problem ist die Ungleichheit im System. Nicht alle Schulen können mithalten. "Ich versuche, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Wir rasen gerade in einen Wettkampf zu negativen Bedingungen", erklärte Smart.
Texas A&M Coach Mike Elko malte an derselben Konferenz ein düsteres Szenario. Top-Programme geben mittlerweile über 40 Millionen Dollar pro Jahr für Football-Roster aus. Wenn die Budgets um weitere 20 Prozent pro Jahr wachsen, wie bisher üblich, wird etwas Fundamentales brechen. "Viele werden bankrott gehen", sagte Elko. In zweieinhalb Jahren, prognostizierte er, könnte ein einziger NIL-Etat die komplette TV-Einnahme aller SEC-Universitäten übersteigen. Das System kann das nicht finanzieren.
Ballports-Take: Smart und Elko sprechen einen unbequemen Punkt an, der europäische Fans verstehen: In der ELF oder GFL entscheiden sich Teams bewusst gegen einen Rüstungswettlauf. Sie setzen auf Struktur, nicht auf Geldmacht. In den USA passiert gerade das Gegenteil. Für deutsche College-Football-Anhänger bedeutet das konkret: Die Spiele zwischen Top-Programmen könnten spannender bleiben, weil die Konkurrenz kaputtgeht. Gleichzeitig könnte das Interesse an College Sports insgesamt sinken, wenn nur noch Mega-Konferenzen überleben. Smart hat Recht, dass finanzielle Fairness schwer durchzusetzen ist. Ohne Regulierung wird der Teufelskreis weitergehen.