Die Minnesota Vikings haben eine klassische QB-Konkurrenzsituation geschaffen. Im März verpflichteten sie Kyler Murray zu einem Einjahresvertrag über 1,3 Millionen Dollar, nachdem die Arizona Cardinals ihn freigegeben hatten. Trainier Kevin O'Connell machte klar: Das ist ein echter Wettbewerb um die Starting-Position. J.J. McCarthy, der letzte Saison für die Vikings zehn Spiele startete, sollte sich nun bewähren.
Bei der zweiten OTA im Frühjahr äußerten sich beide Quarterbacks zu ihrer neuen Situation. McCarthy antwortete auf die Frage nach "Awkwardness" mit beeindruckender Gelassenheit. Er verglich es mit dem Schulunterricht: Jeder sitzt auf seiner Seite des Klassenzimmers, der Coach unterrichtet beide. Auf Nachfrage, ob es zwischen ihm und Murray unbequem sei, sagte McCarthy: "Unbequem? Es ist wie in der High School, wenn noch jemand anderes im Zimmer sitzt. Das ist einfach so. Ich würde nicht sagen, dass es awkward ist."
Murray wiederum lobte die Zusammenarbeit mit dem jüngeren McCarthy. Der 27-Jährige sagte, McCarthy stelle ständig Fragen und kommuniziere offen. Murray betonte, dass er dem "jüngeren Typ" gerne sein Wissen weitergebe, aber es gehe beiden primär darum, das Beste für die Mannschaft zu tun. Beide sind Konkurrenten, die verstehen, was auf dem Spiel steht.
Die Performance spricht derzeit für Murray. Bei den 7-on-7 Drills und den Full-Team-Übungen machte Murray die beiden besten Würfe des Tages: einen Deep Pass auf Jordan Addison auf der rechten Seite und einen Cut auf Undrafted Rookie Dillon Bell über die Mitte. McCarthy dagegen beginnt von einer schwachen Position aus. In zehn Starts der vergangenen Saison erzielte er einen QBR von 35,6 Prozent, der drittschlechteste Wert unter allen NFL-Quarterbacks mit mindestens zehn Starts. Allerdings zeigte er Verbesserungen zum Ende der Saison: In seinen letzten vier Starts erzielte er einen QBR von 69,8 Prozent und rangierte damit auf Platz 7 in der Liga.
McCarthy machte deutlich, dass er sich auf seine eigene Leistung konzentriert und nicht auf Entscheidungen des Managements. Als man ihn fragte, ob er enttäuscht vom McCarthy-Signing sei, antwortete er prägnant: "Dann wäre ich auch enttäuscht, wenn es regnete. Das kann ich nicht kontrollieren." Später ergänzte McCarthy, dass die Organization bewusst an der Qualität des QB-Rooms arbeite. Sein Fokus liege auf der aufwärts gerichteten Trajektorie, die er in der zweiten Saisonhälfte etabliert habe.
Ballports-Take: Für deutsche Fans ist das ein klassisches NFL-Drama: Der junge Quarterback kämpft gegen einen etablierten Spieler. McCarthy hatte zuletzt eine Aufwärtsbewegung, reichte aber für die Playoffs nicht aus. Murray ist ein bekannter Name mit einer deutlich höheren Ceiling. In Fantasy-Football-Ligaden sollte man aufpassen, wer am Ende die Snaps bekommt. Aber McCarthys innere Ruhe und sein verbessertes Spiel zum Ende der letzten Saison sprechen dafür, dass dieser Kampf tatsächlich offen ist. O'Connells Plan könnte also aufgehen: echte Konkurrenz führt zu besseren Leistungen.