Philadelphia sitzt auf einem Pulverfass. A.J. Brown, der Star-Receiver der Eagles, fehlt bei den Team-Aktivitäten. Die Trade-Gerüchte reißen nicht ab. Und Jalen Hurts, sein Quarterback, muss sich rechtfertigen.
Hurts spielte es cool in dieser Woche. "Unsere Beziehung ist wirklich gut", sagte er auf Nachfrage, während er an seinem Wasser nippte. Aber die Realität dahinter ist komplizierter. Brown hat sich über Philadelphias Passing-Offense monatelang beschwert. Teilweise richtete sich seine Frustration auch gegen Hurts selbst, weil dieser Brown offenbar ungern in engen Fenstern bei Zone Coverage anwirft. Brown hat das öffentlich gemacht, auf Social Media, in Interviews. Jeder in der Liga weiß: Dieser Mann will weg.
Die wahrscheinlichste Destination sind die New England Patriots. Aber die Eagles und Pats warten strategisch. Nach dem 1. Juni wird der Cap Hit für Philadelphia überschaubar, erst dann machen sie den Deal. Das ist NFL-Business im Kern.
Dabei waren Hurts und Brown einmal eng. Hurts holte Brown zu einem Recruiting-Visit nach Alabama. Später wurde Hurts Patenonkel von Browns Tochter. Doch im Dezember deutete Defensive End Brandon Graham öffentlich an, dass die Beziehung angespannt ist. Und als Brown kürzlich heiratete, fehlte Hurts auf den Hochzeitsfotos. Das sprach Bände. Hurts versuchte gegenzusteuern und sagte, er freue sich über die Bilder und gratuliere Brown zu diesem wichtigen Schritt. "Nichts hat sich geändert", beteuerte er.
Die Eagles rüsten sich längst auf ein Leben ohne Brown. Sie drafted Makai Lemon im April, tradeten mit Green Bay für Dontayvion Wicks und holten Hollywood Brown und Elijah Moore an. Running Back Saquon Barkley drückte es so aus: "A.J. ist ein toller Kerl und einer meiner besten Freunde. Aber das ist ein Business. Wenn einer nicht hier ist, geht das Team weiter."
Ballports-Take: Für europäische NFL-Fans ist diese Story lehrreich, weil sie zeigt, wie schnell auch Top-Talente in Amerika dispensiert werden, wenn die Chemie nicht stimmt. Brown gehört zu den besten Receivern der Liga, aber Geld und persönliche Spannungen treten in den Hintergrund. Wer die Eagles diese Saison folgt, sollte beobachten, wie schnell Makai Lemon und die anderen neuen Receiver in die Bresche springen. Fantasy-Football-Spieler sollten Brown auf der Watch List haben, falls er zu den Patriots geht. In einer schwachen AFC East könnte er dort massiv an Wert gewinnen.