Anthony Richardson sitzt in einer merkwürdigen Zwischenposition bei den Indianapolis Colts fest. Der Quarterback, den die Colts 2023 an vierter Stelle des Drafts holten, hatte seinen Agent im Februar damit beauftragt, einen Trade zu erkunden. GM Chris Ballard stimmte zu, ließ die Gespräche laufen. Doch es kam nichts dabei heraus. Jetzt ist Richardson wieder da, arbeitet mit dem Team, konkurriert mit Riley Leonard um die Nummer-2-Position hinter dem neuen Starter Daniel Jones.
Richardson war zunächst nicht zu den freiwilligen Offseason-Workouts gekommen. Dann kehrte er zurück. Am Mittwoch sprach er vor Journalisten und versuchte, die ganze Situation herunterzuspielen. Er sei ein Profi, sagte er. Er habe einen Vertrag unterschrieben, der noch ein Jahr läuft. Seine Pflicht sei es, zu arbeiten und bereit zu sein, falls die Colts ihn brauchten. "Ich denke nicht, dass das seltsam oder unbequem ist", meinte Richardson. Auf die Frage, ob er immer noch einen Trade bevorzuge, blieb er vage: "Ich konzentriere mich im Moment nicht wirklich darauf. Ich bin jetzt hier."
Coach Shane Steichen hat ihn nicht ausdrücklich auf die Bank verbannt. Während Jones sein Comeback von einem gerissenen Achillessehnenriss absolviert und gerade einen 88-Millionen-Dollar-Vertrag als Starting QB unterschrieben hat, lässt Steichen Richardson mit der ersten Offense trainieren. Der 24-Jährige zeigte sich fit. Er warf mehrere beeindruckende Pässe. Das Auge, das ihm letztes Jahr bei einer Verletzung durch ein Trainingsgerät gebrochen wurde, scheint vollständig genesen zu sein.
Richardson erzählte, dass ihm das Warten auf einen Trade irgendwann zu viel wurde. Er wollte einfach wieder in den Rhythmus kommen, arbeiten, seinen Body und sein Game zurück auf den Stand bringen. "Ehrlich gesagt wollte ich einfach trainieren", sagte er. "Mir wurde es zu viel, ewig zu warten. Ich wollte wieder in die Routine rein." In nur drei Saisons hat Richardson zwei saisonende Verletzungen erlitten, wurde auf die Bank gesetzt und ist nun Gegenstand von Trade-Gerüchten. Seine Zukunft bei den Colts bleibt unklar. Richardson selbst scheint sich damit abgefunden zu haben, zumindest für jetzt. "Es ist eine verrückte Liga", sagte er.
Jones trainiert nun im begrenzten Umfang mit. Er führt Dropbacks durch, wirft zu Receivern und Tight Ends in den Positionsdrills. Steichen schloss nicht aus, dass Jones irgendwann auch mit der kompletten Offense trainiert. Aber die Richtung ist klar: Jones wird voraussichtlich zum Saisonstart unter Center stehen. Seine Rückkehr zur Offense ist ein großer Schritt dorthin.
Ballports-Take: Für deutsche Fans, die Richardson seit seinem Draft verfolgen, ist das eine bittere Entwicklung. Der athletische QB mit dem extrem hohen Ceiling wird zum tragischen Fall, wenn Verletzungen und Management-Entscheidungen ihn von der Karriere abbringen. Aktuell hat er in der Fantasy-Tiering keine Relevanz mehr, aber wer auf längerfristige Wetten steht: Sollte Jones erneut ausfallen, könnte Richardson plötzlich wieder wichtig werden. Die Colts halten sich alle Optionen offen, und Richardson scheint das akzeptiert zu haben. Im Moment konzentriert er sich auf das, was er kontrollieren kann: trainieren, scharf bleiben und bereit sein. Ein professioneller Umgang mit einer schwierigen Situation.