Die NBA hat ihre Untersuchung gegen die LA Clippers wegen möglicher Salary-Cap-Umgehung intensiviert. Kawhi Leonard und sein Onkel Dennis Robertson, der auch als Business-Berater tätig ist, wurden von Liga-Ermittlern befragt. Dasselbe gilt für Clippers-Besitzer Steve Ballmer und weitere Führungskräfte des Teams sowie Vertreter von Aspiration, dem mittlerweile aufgelösten Fintech-Unternehmen, das im Zentrum der Vorwürfe steht.
Die Ermittlungen begannen im September 2025, nachdem Podcaster Pablo Torre interne Dokumente öffentlich machte. Diese zeigten, dass Ballmer persönlich 50 Millionen Dollar in Aspiration investiert hatte, und zwar im September 2021 durch seine private LLC. Im selben Monat unterzeichneten die Clippers einen 300-Millionen-Dollar-Sponsoring-Deal mit Aspiration als "First Founding Partner" des neuen Intuit Dome. Sechs Monate später schloss Leonard einen 28-Millionen-Dollar-Endorsement-Deal mit Aspiration ab.
Ein namentlich nicht genannter ehemaliger Aspiration-Mitarbeiter sagte Torre, dass Leonards Sponsorship-Vertrag dazu gedient habe, "die Salary Cap zu umgehen". Diese zeitliche Abfolge und die finanzielle Verflechtung zwischen Ballmer, dem Team und dem Unternehmen weckten bei der NBA Verdacht. Commissioner Adam Silver erklärte vor Game 1 der NBA Finals auf Spanisch, dass die Untersuchung "weit fortgeschritten" sei und die Liga "kurz davor" stehe, das Verfahren abzuschließen.
Ballmer und die Clippers bestreiten die Vorwürfe öffentlich vehement. Der Besitzer sagte ESPN-Reporterin Ramona Shelburne im September 2025, er habe von Leonards Deal keine Kenntnis gehabt und habe Aspiration nicht angewiesen, einen Vertrag mit dem Star zu schließen. Er räumte lediglich ein, Leonard ursprünglich mit dem Unternehmen bekannt gemacht zu haben. Eine Quelle aus Leonards Umfeld betonte gegenüber ESPN, die Clippers seien über die 2021er Einführung hinaus nicht an dem Deal beteiligt gewesen. Es habe nie Gespräche über die Salary Cap gegeben, und Leonards Sponsorship-Vertrag ähnle seinen anderen Endorsement-Deals. Die Quelle versicherte, dass Leonards Camp "nichts zu verbergen" habe und das Arrangement kein "No-Show-Deal" gewesen sei.
Privat aber wirken einige Clippers-Funktionäre frustriert. Sie sind zwar überzeugt, keine Regelwidrigkeit begangen zu haben, doch erscheinen sie weniger sicher über den Ausgang der prominenten Untersuchung oder darüber, ob die Liga gegen Ballmer Strafen verhängen wird. Die möglichen Konsequenzen sind erheblich. Unter den Regeln des NBA-Tarifvertrags von 2023 drohen Geldstrafen bis zu 7,5 Millionen Dollar, Entzug von Draft-Picks, Ungültigkeitserklärung von Spielerverträgen und Sperren bis zu einem Jahr für betroffene Personen.
Silver deutete an, dass die Clippers und alle anderen 29 Teams verstehen müssen, "unter welchen Bedingungen sie operieren werden". Das ist eine klare Botschaft an die gesamte Liga, dass Salary-Cap-Verstöße konsequenzen haben. Ein formaler Abschluss der Untersuchung könnte noch diesen Monat erfolgen, der genaue Zeitpunkt bleibt aber offen.
Ballports-Take: Für deutsche Fans, die Leonard und die Clippers verfolgen, ist dies eine belastende Situation. Falls die NBA tatsächlich Verstöße feststellt, könnte das Team mit Draft-Pick-Entzug rechnen oder sogar gezwungen sein, Verträge zu ändern. Das wäre ein massiver Schlag für ein Team, das mit Leonard, James Harden und anderen Stars im Moment um den Titel konkurriert. Die Untersuchung zeigt auch, wie streng die NBA Compliance mittlerweile handhaben will. Für Fantasy-Basketball-Spieler: Derzeit gibt es keine unmittelbare Auswirkung auf Leonards Status oder Einsatzzeiten, aber jede Strafankündigung könnte längerfristige Konsequenzen für die Clippers-Zusammensetzung haben.