Brian Schottenheimer sitzt an den meisten Dienstagabenden im Offseason mit seinen Spielern zum Essen zusammen. Offense, Defense, Special Teams. Mittlerweile sind es etwa 40 Spieler, die er auf diese Weise kennenlernt. Nicht um Spielzüge zu besprechen, sondern um herauszufinden, wer diese Menschen außerhalb des Feldes sind. Seine Frau würde bestätigen: Schottenheimer ist derjenige, der gleich eine Frage stellt und das Gespräch in eine Richtung lenkt. Das ist sein Stil, seit dem ersten Snap an.
Jahr eins als Head Coach der Dallas Cowboys endete mit einer 7-9-1 Bilanz. Dazwischen lagen Momente wie der Sieg über die Super-Bowl-Teilnehmer Philadelphia Eagles und Kansas City Chiefs in aufeinanderfolgenden Wochen. Aber auch tiefe Täler: Eine Defense, die in der gesamten Liga die meisten Punkte zuließ. Ein personal revamp war nötig. Dazu kam die Tragödie um Marshawn Kneeland, dessen Tod das Team erschütterte. Trotzdem erhielt Schottenheimer Lob von der Front Office, von Assistenten und Spielern.
Now beginnt Jahr zwei. Und Schottenheimer weiß, dass dieser Sprung nötig ist, just wie Rookies im zweiten Jahr ihre größten Fortschritte machen. "Offensichtlich muss es mit mehr Siegen anfangen," sagte er. "Die Kultur soll weiter wachsen. Aber am Ende zählen Siege und Niederlagen." Im ersten Jahr verbrachte Schottenheimer die meiste Zeit bei der Offensive. Koordinator Klayton Adams war selbst neu im Job, viele Coaches mussten erst verstehen, wie Schottenheimer seine Offense haben wollte. Rückblickend sagt er, er hätte die Defense unter dem damaligen Koordinator Matt Eberflus früher und direkter angehen sollen. Erst in der Regular Season, als es schiefging, verbrachte er mehr Zeit in den Defensive Meetings.
Disser Offseason ist das anders. Schottenheimer sitzt regelmäßig in den Defensive Meetings mit neuem Koordinator Christian Parker. In den Practices beobachtet er intensiver die Special Teams, schaut bei den Punt-Coverage-Drills genau hin, ob die Details stimmen. "Ein Head Coach zu sein und alle drei Phasen im Griff zu haben", sagte er. "Die Zeit, um mich wieder in der 3-4 Defense einzuarbeiten. Trainings-Pläne, Meetings."
Die Spieler merkten Schottenheimers Selbstsicherheit im ersten Jahr, obwohl er den Job noch nie gemacht hatte. Diesen Offseason merken sie noch mehr davon. Tight End Jake Ferguson fasst es so zusammen: "Er fühlt sich gefährlicher an."
Für deutsche Cowboys-Fans ist der zweite Schottenheimer-Winter ein kritischer Punkt. Die Defense muss drastisch besser werden, sonst wars das mit den Playoff-Hoffnungen auch 2025. Schottenheimer hat gelernt, dass er nicht alles dem Koordinator überlassen darf und früher selbst eingreifen muss, wenn es not tut. Das ist ein gutes Zeichen. Allerdings zeigt sein erstes Jahr auch: Neue Head Coaches in der NFL brauchen Zeit zum Lernen, und Geduld ist in der Liga ein Luxusgut, den sich die Cowboys nicht lange leisten können.