Wenn Austin Reaves, Jalen Duren und LeBron James ihre neuen Verträge unterschreiben, macht das Schlagzeilen. Aber die NBA-Meisterschaft gewinnt man nicht allein mit Superstars. Zwischen den großen Namen verstecken sich Rollenspieler und Spezialisten, die einem Team den entscheidenden Schliff geben können. Eine Verletzung in der Regular Season, eine neue Matchup-Konstellation in den Playoffs, und plötzlich wird ein unterschätzter Guard oder Forward zur Schlüsselfigur. Die richtige Besetzung dieser Positionen trennt oft Finalisten von frühen Playoff-Ausscheidern.
Collin Gillespie ist so ein Fall. Der undrafted Guard der Phoenix Suns brauchte seine Zeit, bis er ins Rampenlicht trat. Seine ersten Jahre in der Liga waren unauffällig: 57 Spiele, 281 Punkte. Doch in der Saison 2025-26 explodierte seine Produktion. Er spielte 80 zusätzliche Spiele und warf 1.012 Punkte. Das ist keine Verdopplung, das ist eine Vervierfachung. Gillespie zeichnet sich durch Effizienz aus. Er verwaltet den Ball klug, drei Assists auf einen Turnover heißt das im Jargon, und er ist ein außergewöhnlicher Schütze von der Dreierlinie. Von allen Spielern, die mindestens sieben Dreier pro Spiel versuchen, schafften nur fünf andere als er eine Quote über 40 Prozent. Bei Catch-and-Shoot-Dreier lag Gillespie sogar bei 46 Prozent und rangierte damit unter den Top 3 von über 200 betrachteten Spielern. Mit 1,85 Meter Körpergröße hätte Gillespie eigentlich das typische Problem kleiner Guards: Er ist einfach zu überwinden. Aber er arbeitet hart in der Defense, und seine Anstrengung macht ihn schwieriger zu bestrafenals erwartet. Die Suns waren sowohl offensiv als auch defensiv besser mit ihm auf dem Court. Fortgeschrittene Statistiken mögen ihn. xRAPM sortiert seinen per-Possession-Impact im 91. Perzentil aller Ligaspieler ein, estimated plus-minus sieht ihn im 88. Perzentil. Mit 27 Jahren hätte Gillespie einen achtstelligen Jahresvertrag und eine echte Rolle bei einem Contender verdient.
John Collins ist eine andere Art von Zweitlebensdebüt. Im Sommer 2021 unterschrieb der Forward einen Fünfjahresvertrag über 125 Millionen Dollar bei den Atlanta Hawks, nachdem er einer jungen Mannschaft hilft hatte, in die Conference Finals zu führen. Diese Summe wurde danach zu seiner Last. Fans und Kritiker maßen Collins jahrelang daran, was er kosten sollte, nicht daran, was er tatsächlich tat. Nach zwei Trades und fünf Jahren läuft sein Megavertrag jetzt aus. Collins ist Free Agent im klassischen Sinne und kann überall landen. Er schießt effizient und traf in den letzten zwei Saisonen 40 Prozent seiner Dreier. Am Korb ist er zuverlässig, auch wenn die spektakulären Dunks nicht mehr so häufig kommen wie in seinen Anfangsjahren. Defensiv kann er mehrere Positionen decken und sollte auch in einem Championship-Roster Platz haben.
Für DACH-Fans ist das wichtig zu verstehen: Im europäischen Basketball folgt man oft den etablierten Stars. Die NBA funktioniert aber auch über die Tiefe. Ein Gillespie oder Collins in der richtigen Situation, auf dem richtigen Team, kann den Unterschied zwischen Playoff-Out und Finals-Run ausmachen. Wer deutsche oder deutschsprachige Spieler in der NBA verfolgt, sollte auch auf solche Rollenspieler achten, denn sie zeigen, wie auch weniger bekannte Athleten Systems gewinnen. Manchmal ist der beste Pick nicht der bekannteste Name.