Der Sommer wird für die Los Angeles Lakers zur Bewährungsprobe. Einen Monat nachdem die Oklahoma City Thunder sie in der zweiten Playoff-Runde ausschalteten, wurden die New York Knicks NBA-Champions. Was beide erfolgreichen Teams gemeinsam haben: eine durchdachte Kaderstruktur mit der richtigen Balance zwischen etablierten Stars und junger Athletik. Die Lakers müssen genau das nachmachen, wenn Luka Doncic auch in seinem zweiten Jahr in Los Angeles erfolgreich sein soll.
Doncic führte die Liga in der vergangenen Saison mit 33,5 Punkten pro Spiel an und landete in der MVP-Voting auf Platz vier, bevor ihn eine Zerrung des linken Hamstrings aus den Playoffs riss. Die Mannschaft gewann zwar 50 Spiele und war nach der All-Star-Pause eine der heißesten Teams der Liga, doch am Ende reichte es nicht. Jetzt liegt die Verantwortung bei General Manager Rob Pelinka und Coach JJ Redick, den Kader so zu verbessern, dass Doncic unterstützt wird. LeBron James wird diese Entscheidungen genauestens beobachten. Seine Rückkehr könnte von den Ambitionen der Franchise abhängen.
Doncic verbringt derzeit den Sommer in Slowenien mit seinen Töchtern Gabriela und Olivia, steht aber laut ESPN in ständiger Kommunikation mit Pelinka und Redick. Er wurde am 28. Mai für Basketball-Aktivitäten freigegeben, etwa zweieinhalb Wochen nachdem die Serie gegen Thunder endete. Der 27-Jährige ist wieder fit und befindet sich nach eigenen Aussagen in "Vollgas-Modus". Dabei hat er eine klare Forderung an die Franchise gestellt, die er bereits bei seiner Ankunft vor 16 Monaten gemacht hatte: Die Lakers brauchen einen erstklassigen Center.
Ein Rim-Läufer und Lob-Catcher würde Doncics ohnehin schon gefährliches Offensivspiel auf eine neue Ebene heben. Defensive Stabilität an der Position ist unverzichtbar, um mit den besten Teams der Liga konkurrieren zu können, mit Stars wie Victor Wembanyama von den Spurs oder Nikola Jokic von Denver, die beide Doncic in der MVP-Abstimmung schlugen. Das führt direkt zur zentralen Frage: Was machen die Lakers mit ihren bisherigen Centern Deandre Ayton und Jaxson Hayes? Ayton hat eine Player Option über 8,1 Millionen Dollar, die er bis 29. Juni ausüben oder ablehnen muss. Hayes war in den letzten drei Saisons bei den Lakers und erhielt einen slowenischen Pass.
Die Lakers haben immerhin Werkzeuge in der Hand. Sie besitzen drei tradierbare First-Round Picks (Nr. 25 im 2026er Draft, plus 2031 und 2033) und potenziell knapp 50 Millionen Dollar Cap Space. Doch das Geld kann schnell aufgebraucht sein, wenn die Mannschaft eine ähnlich starke Rotation halten will wie die, die 50 Spiele gewann. Neun der 15 Spieler auf der Depth Chart könnten als Unrestricted Free Agents gehen, Austin Reaves ist mit seiner Schulterverletzung auch noch unsicher. Es wird ein intensiver Sommer für Pelinka und Redick.
Für deutsche Basketball-Fans ist dieser Sommer entscheidend, um zu sehen, wie ernst es die Lakers mit Doncic meinen. Der Slowene ist einer der besten Spieler der Welt und verdient Waffen, um echte Chancen auf einen Ring zu haben. Wenn Pelinka es verpasst, ihn mit einem echten Center zu paaren, wird Doncic früher oder später frustriert sein. Dass LeBron James dann auch noch gehen könnte, würde ein Desaster bedeuten. Die kommenden Wochen entscheiden darüber, ob die Lakers als echte Western-Conference-Kontender in die neue Saison gehen oder als Teams auf Übergangskurs.