Die NFL-Scouts wissen längst, wer die wertvollsten Running Backs im College Football sind. ESPN befragte über 20 Director of Scouting, General Manager und weitere Personalchefs aus dem ganzen Land, um herauszufinden, welche zurückgekehrten Spieler die Elite der Position bilden. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Markt für Top-Running-Backs ist explodiert. Teams boten den besten Namen Summen bis zu zwei Millionen Dollar und mehr an, um sie in den Transfer Portal zu locken. Vier der zehn ranghöchsten Kandidaten wechselten dennoch die Schule, weitere überlegten ernsthaft. Doch es gibt reichlich Nachwuchs auf der Position, und die Liste musste hart zusammengestrichen werden.
An der Spitze steht Kewan Lacy von Ole Miss. Der 1,78 Meter große, 93 Kilogramm schwere Back absolvierte 2025 eine außergewöhnliche Debütsaison bei den Rebels. Nachdem er als Freshman bei Missouri nur 23 Mal zum Einsatz kam, nutzte Lacy den Transfer Portal und fand in Oxford eine ideale Plattform. In seinem ersten Jahr als Starter erzielte er 1.567 Rushing Yards, 24 Touchdowns und 29 Receptions. Er brauchte durchschnittlich nur 5,1 Yards pro Lauf und dominierte damit sowohl im offenen Feld als auch in Kontaktsituationen.
Das Beeindruckendste: Lacy absolvierte 306 Carries, mehr als jeder andere FBS-Spieler, und zwang dabei 109 Tackler zu verpassten Angriffen. Er verarbeitete seine Spiellast professionell, obwohl er während der College Football Playoff einen Schulterschaden mit sich herumtrug. Seine 1.077 Rushing Yards nach initialen Kontakt zeigen, wie explosiv er ist. Gegen Miami präsentierte er eine 73-Yard-Run, gegen Florida rannte er 224 Yards auf 31 Carries, alles gegen SEC-Defenses. Im roten Bereich der gegnerischen Endzone erzielte er 19 Touchdowns und bewies damit auch Durchsetzungsfähigkeit auf kurzem Feld. Ein SEC-Personalchef, dessen Team gegen Ole Miss spielte, beschrieb Lacy so: "Kewan ist wendiger, schafft mehr hinter einer schwächeren Offensive Line, hat die Home-Run-Fähigkeit, kann fangen und schützt den Passer. Er macht alles, was man sich wünscht."
Lacy hätte Angebote von LSU und anderen Top-Programmen annehmen können. Stattdessen entschied er sich, 2026 mit Ole Miss anzugreifen. Ein ehemaliger SEC-Mitarbeiter ordnete es so ein: "Er ist Nummer eins für mich. Das, was er in seiner Größe leistet, ist unglaublich." Wenn Lacy sein Niveau hält oder verbessert, wird er ein ernsthafter Kandidat für die erste Running-Back-Auswahl im nächsten NFL Draft.
Jadan Baugh von der University of Florida folgt auf Platz zwei. Seine Bilanz von 1.170 Rushing Yards, 5,3 Yards pro Carry und 10 Touchdowns wirkt auf dem Papier solide, aber nicht spektakulär. Doch die Scouts sehen etwas anderes: Ein ungewöhnliches Paket aus Größe, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Ein SEC-Personalchef sagte: "Er könnte der beste Running Back des Landes sein." Ein Big-Ten-Scout ergänzte: "Baugh könnte einer der besten Backs sein, die ich je auf Tape gesehen habe." Nach einer starken Freshman-Saison 2024 blieb Baugh einer der wenigen konsistenten Offensiv-Motoren einer Florida-Offense, die unter normalen Maßstäben nicht mithalten konnte.
Dass die Top-Running-Backs derzeit zwischen 2 und 3 Millionen Dollar für ihre Name, Image and Likeness (NIL) verdienen können, spricht Bände über den Stellenwert der Position. Für deutsche Football-Fans ist Lacys Geschichte bemerkenswert, weil sie zeigt, wie schnell sich College-Karrieren durch einen klugen Transfer beschleunigen lassen. Lacy war in Missouri kein Franchise-Player, sondern ein Talent mit Potenzial. Ein Jahr später war er Playoff-Star und Top-10-Pick-Kandidat. Wer die europäischen Prospects im Auge behält, sollte sich merken: Die beste Position für US-College-Scouts bleibt das RB-Feld, und Namen wie Lacy beeinflussen bereits heute die NFL-Draft-Szenarien für 2027 und 2028.