DeForest Buckner hatte sein Leben dem Football gewidmet. Doch plötzlich stand er vor einer Frage, die er sich nie hätte stellen wollen: Wird mir das Spiel genommen? Der Defensive Tackle der Indianapolis Colts, dreimaliger Pro Bowler und das Herzstück der Defense, zog sich in der vergangenen Saison eine Nackenverletzung zu. Ein Bandscheibenvorfall drückte auf einen Nerv. Die linke Körperseite war praktisch lahmgelegt, Kraft und Gefühl waren weg. Erst versuchte Buckner es mit Ruhe und Stammzellentherapie in einer Klinik in Panama. Irgendwann führte kein Weg um eine Operation herum.
"Ich bin in tiefe, dunkle Gedanken verfallen. Was soll ich denn jetzt tun?", sagte Buckner über den Moment, als die Ärzte ihm die notwendige Operation erklärten. Die Entscheidung, unters Messer zu gehen, war nicht einfach. Er brauchte Gespräche mit den Menschen, die ihm nahestanden, um seine Gefühle zu verarbeiten. Jetzt, mehrere Monate nach der OP, macht Buckner Fortschritte im Reha-Prozess. Aber bis er wieder sonntags auf dem Feld steht, ist es noch ein langer Weg.
In den ersten Wochen nach der Operation konnte Buckner kaum etwas machen. "Die ersten zwei Wochen kannst du wirklich nicht viel tun. Ich konnte meine eigenen Kinder nicht mal hochheben. Alles über 10 Pfund war tabu", erinnert er sich. Im April fing er wieder an zu laufen, seitdem gibt es stetigen Fortschritt. Ob er rechtzeitig zum Training Camp Anfang Juli bereit ist, bleibt offen. Das Ziel ist klar: Buckner soll zum Saison-Opener am 13. September gegen die Baltimore Ravens auf dem Platz stehen. Aber das ist ein Ziel, keine Garantie.
Colts-Coach Shane Steichen betont, dass sein Defensive Tackle einer der härtesten Arbeiter ist, die er kennt. "Wir werden klug mit der Situation umgehen, ihn durchs Training Camp monitoren. Das Ziel ist, dass er für Week 1 bereit ist. Ich weiß, dass er daran arbeitet, und wir schauen, wie es läuft."
Wenn Buckner zurückkommt, trifft er auf eine völlig andere Defense. Die etablierten Spieler sind weg: Linebacker Zaire Franklin, Cornerback Kenny Moore II und Kwity Paye haben die Colts verlassen. Stattdessen steht die Defense jetzt voller Rookies und Spieler im zweiten Jahr. Mit den San Francisco 49ers spielte Buckner 2019 noch im Super Bowl. Bei den Colts war 2020 das letzte Mal Playoffs. Trotz seines Trades nach Indianapolis vor fünf Jahren und obwohl er hätte gehen können, blieb Buckner. 2024 verlängerte er sogar seinen Vertrag. Das ist für ihn eine Frage der Verpflichtung.
Für Colts-Fans, die Buckner verfolgen, ist diese Rückkehr entscheidend. Der Defensive Tackle ist nicht nur eine Führungspersönlichkeit, sondern auch ein Play-Maker auf der Line. Eine Defense mit Buckner sieht anders aus als eine ohne. Mit einer jungen Einheit um ihn herum könnte er zum Stabilisator werden, der die Entwicklung dieser Rookie-Klasse prägt. Allerdings ist auch klar: Zu viel zu früh könnte kontraproduktiv wirken. Die Colts werden geduldig sein müssen, und Buckner auch.