DENVER - Deion Sanders hat in seiner Karriere viele Risiken eingegangen. Doch beim Thema Glücksspiel im College Football zeichnet der Colorado-Trainer eine klare Linie. Die Debatte um Sportwetten in der NCAA ist gerade wieder aufgekocht, nachdem Texas Tech Quarterback Brendan Sorsby vor Gericht Recht bekam und seine NCAA-Sperre für Wetten auf College- und Profisport aufgehoben wurde. Colorado trifft Texas Tech am 3. Oktober im Big 12 an, die Begegnung ist Teil der Homecoming-Festivitäten.
Sanders sprach sich deutlich gegen jede Form von Wetten auf Spiele aus, an denen die eigenen Spieler beteiligt sind. "Jemand wettet auf einen Sport, in dem er selber spielt? Ihr denkt nicht, dass etwas daran falsch ist?", fragte er provokativ in einem Interview mit der Associated Press. "Sagt euch das selbst: Dieser Typ in meinem Team wettet auf den Wettkampf, in den wir gerade gehen. Etwas ist daran falsch." Mit seinen Spielern hat Sanders dieses Thema bereits besprochen, um absolute Klarheit zu schaffen.
Der 58-Jährige hat klare Vorstellungen, wie die NCAA das Spiel reformieren sollte. Ein Hard Cap für die NIL-Deals (Name, Image, Likeness) soll für mehr Chancengleichheit sorgen. Ein ehemaliger Trainer wie Nick Saban könnte seiner Meinung nach als Commissioner arbeiten. Eine Altersgrenze für College-Spieler müsste eingeführt werden, und Sanders plädiert für ein 24er-Playoff-Format. "Das Spiel ist immer noch das Spiel", sagte Sanders. "Aber es ist anders positioniert. Geld ist beteiligt, und wenn Geld beteiligt ist, migrieren Leute zu dem, was sie rausbekommen können, statt zu dem, was sie reinbringen könnten. Das ist bedauerlich."
Vor einem Jahr kämpfte Sanders gegen Blasenkrebs und brauchte eine Rekonstruktion seiner Blase mit einem Teil seines Darms. Diesen Monat arbeitet er mit der Marke Depend zusammen, um regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu fördern. Im Frühjahr musste er das Team kurzzeitig verlassen, um sich mit Blutgerinnseln auseinanderzusetzen. Aber er betont: "Mir geht es großartig. Ich habe meinen alten Schwung zurück." Mit diesem neuen Selbstvertrauen kommt auch eine neue Lebensphilosophie. Sanders hat kürzlich eine Strandimmobilie auf St. Croix mit seinem Sohn Shedeur erworben, der gerade seine zweite Saison als Quarterback mit den Cleveland Browns beginnt. "Das hätte ich früher nie getan, weil ich nie irgendwo hingehe", sagte Sanders. "Ich steige aus und lebe einfach."
Vergangenes Jahr verpasste Sanders Footballcamps in Boulder, während er sich einer Krebsbehandlung unterzog. Colorado endete mit einer 3-9-Bilanz, nachdem das Team im Vorjahr mit Shedeur Sanders und dem Heisman-Gewinner Travis Hunter noch ein Bowl-Spiel erreicht hatte. Diese Offseason zeigt sich ein präsenterer Deion Sanders. "Ich habe alle in diesem Locker Room, weil wir sie haben wollen", erklärte er. "Weil ich da saß und mir Spielfilme angeschaut und gedacht habe: Das ist derjenige, den ich will. Das ist das, was ich will. Lasst uns gehen und es holen."
Es amüsiert Sanders, dass sein massiver Rückgriff auf den Transfer Portal lange Zeit für Stirnrunzeln sorgte. "Jetzt macht jeder das Gleiche, das ich getan habe", sagte er. "Aber damals war es verrückt, oder?" Er beobachtet die Reformpläne der Konferenzen und die Legislativvorschläge der Politiker genau, um zu sehen, wie College Football sich anpassen wird.
Für deutsche Football-Fans ist Sanders ein faszinierendes Phänomen: Ein legendärer Athleten-Coach, der gerade eine ernsthafte Krankheit überwunden hat und jetzt mit noch mehr Energie in seinen Job zurückkommt. Das Colorado-Projekt mit Shedeur Sanders war immer ein deutsches Medienthema, besonders weil Travis Hunter eine internationale Fanbase hat. Sanders' klare Haltung zu Wetten zeigt auch, wie wichtig ihm die Integrität des Spiels ist, während der Transfer Portal und NIL-Deals den College Football immer volatiler machen.