Die Big 12 lässt sich von niemandem in die Parade fahren. Die Konferenz reichte am Montag eine Klage vor dem Bundesgericht im Northern District of Texas ein und fordert sowohl eine einstweilige Verfügung als auch ein Urteil zur Erklärung ihrer Rechte. Im Kern geht es darum, dass die Liga ihre Satzungen gegen Brendan Sorsby durchsetzen will, den Quarterback von Texas Tech, der zugegeben hat, tausende Male auf College-Football gewettet zu haben, unter anderem 40 Mal auf die Indiana Hoosiers, während er selbst für die Mannschaft spielte.
Die Klage ist eine direkte Reaktion auf ein Schreiben des texanischen Justizministers Kenneth Paxton vergangene Woche, der der Big 12 mit rechtlichen Konsequenzen drohte, sollte die Liga Sorsby sanktionieren. Paxton ist neben dem Kanzler, dem Präsidenten und dem Athletic Director von Texas Tech als Beklagter aufgeführt. Ein Richter hatte Sorsby am 8. Juni eine einstweilige Verfügung gewährt, die ihm den Weg freimacht, 2026 für Texas Tech zu spielen. Seither herrscht juristisches Chaos.
Die Big 12 argumentiert jetzt, dass die First Amendment ihre Rechte schützt, nach den eigenen Bylaws zu handeln. Die zentrale Regel ist Bylaw 3.6, die der Liga ermöglicht, mit Zweidrittelmehrheit zu entscheiden, ob Texas Techs Verhalten Strafen rechtfertigt. Möglich wären finanzielle Bußgelder, Beschränkungen der Spielberechtigung oder der Ausschluss von der Big 12 Championship. Die Klage versucht zu verhindern, dass Texas Tech die Big 12 von der Durchsetzung ihrer Regeln abhält.
Das Kernarument der Liga: "Wenn ein Member eine Person mit dokumentierter Wetthistorie in Conference-Spielen antreten lässt, schadet das nicht nur dieser einen Schule, sondern der ganzen Liga, ihren Rivalen, den Fans und der Integrität der Meisterschaften." Andere NCAA-Programme stimmen dieser Sicht zu. Die Athletikabteilungen von Georgia und Nebraska haben angekündigt, nicht gegen Texas Tech zu spielen, solange Sorsby im Kader ist. Die Big 12-Präsidenten sollten am Montag zu einem Treffen zusammenkommen, um Strafen zu diskutieren, laut ESPN wird aber keine abschließende Entscheidung erwartet.
Für deutsche Football-Fans ist das ein interessanter Blick auf die Machtverhältnisse in der NCAA und wie Konferenzen tatsächlich funktionieren. Die Big 12 will hier ein Zeichen setzen, dass nicht einzelne Schulen, und schon gar nicht einzelne Staaten, über Regelwerk und Integrität entscheiden. Gleichzeitig zeigt sich: College-Football ist nicht einfach nur Sport, sondern ein institutionelles Machtspiel mit massiven finanziellen und reputationsmäßigen Implikationen. Die Frage, ob Sorsby spielen darf, entscheidet sich am Ende wohl eher im Gericht als auf dem Platz.